kleine Welpen-Fibel

In der 8. bis 16. Lebenswoche werden die Verhaltenstendenzen für das ganze "Hundeleben" festgelegt. Es ist daher besonders wichtig, den Welpen in die Sozialstruktur des nun eigenen "Rudels" einzuweisen.

Ein kleiner Welpe ist ja "so süss", trotzdem sollte diese Zeit intensiv für die Grunderziehung genutzt werden.

Eine liebevoller und konsequenter Umgang mit dem Hund besonders in den ersten Wochen im neuen Heim wird sichern, das der erwachsene Hund die aufgestellten Regeln nicht in Frage stellt.

Abholung

Zur Abholung des neuen kleinen Familienmitgliedes fährt man am besten mit einer weiteren Person, damit sich während der Fahrt jemand um den kleinen neuen Freund kümmern kann.

Bitte nicht "einfach so" ungesichert im Auto transportieren. Es gibt z. Bsp. Boxen, die sich in allen möglichen Autotypen sehr gut sichern lassen. Bitte nicht füttern vor der Fahrt, um den anfänglichen Brechreiz nicht zu unterstützen.

Das kleine Wesen hat gerade sein gewohntes Umfeld verloren und befindet sich in einer neuen Umgebung mit noch fremden Menschen. Bleibe ruhig und vermeide jede Hektik und biete so Sicherheit und Vertrauen.

Lasse unterwegs den Welpen regelmäßig trinken und seinen Bedürfnissen nachgehen. Bitte nicht ohne Leine!

Bitte in den ersten Tagen nicht gleich alle Verwandten und Bekannten zur Besichtigung einladen, gib dem kleinen Wesen Zeit sich zurechtzufinden.

erstes Futter

Die ersten Mahlzeiten sollten mit dem Züchter abgestimmt werden, wenn Trockenfutter welches und wieviel und wenn bereits gebarft werden soll, was und wieviel. Meist gibt der Züchter eine Packung vom bisherigen Futter mit, das bestenfalls weiter gefüttert werden sollte. Andernfalls nicht von jetzt auf gleich das Futter umstellen, sondern alt + neu mischen.

Die ersten Wochen sollte das Futter noch in drei oder vier Mahlzeiten gereicht werden. Sofern möglich ist die Verteilung der Tagesration Futter auf zwei Mahlzeiten für einen großen Hund das Optimum. siehe Magendrehung

Liegeplatz/Hundebett

Als erstes sollte dem kleinen Welpen ein eigener Liegeplatz zugewiesen werden. Ein Ort im neuen Heim, der ihm allein gehört und sich nicht auf dem Sofa befindet oder an einer zugigen Stelle. Möglichst nicht in der Nähe von Terrassentüren, auf Treppenabsätzen oder am Kellereingang. Viellicht hat der Züchter ein Spielzeug oder Tuch mitgegeben, dass man hier deponieren kann.
An diesem Platz wird nicht gespielt oder gefüttert und auf keinen Fall gestraft.
Dieser Platz ist der absolut ungestörte sichere Rückzugsort.

Ein erwachsener Boerboel ist sicher mit einem Hundebett von ca. 1,20 m oder größer ausreichend versorgt, ein kleiner Welpe indes braucht noch kein solch großes Hundebett, sondern eine Möglichkeit sich einzukuscheln.

Die ersten Wochen ist es recht hilfreich einen Zimmerkennel/Hundebox zu benutzen. Hier kann der Welpe zur "Zwangsruhe" abgesetzt werden.

Bewegung

Die Knochen grosser Hunde benötigen etwas länger um auszuwachsen. Um vorzeitige Überbelastungen zu verhindern, sollten die Aktivitäten des kleinen Boerboel unbedingt eingeschränkt werden.

Bitte nicht gleich eine Stunde im Ort spazierengehen, sondern angemessen und im Zweifel den Welpen lieber tragen.

Faustregel: Pro Woche Alter 1 Minute laufen/spazieren.

Das heißt bei einem 12 Wochen alten Welpen: 12 Minuten.
Optimal ist die abwechselnde Ruhe und Aktivität. Eine halbe Stunde spielen und eine halbe Stunde ruhen.

Körperpflege

Auch Hunde brauchen Körperpflege, dazu gehört neben der Fellpflege auch das Reinigen der Ohren, eventuell der Augen und Zähne.
Es empfiehlt sich schon bei ganz jungen Hunden all diese Maßnahmen lehrend durchzuführen. So ist der erwachsene Hund bereits daran gewöhnt. Das kann bei Verletzungen oder Entzündungen sehr hilfreich sein und schafft zusätzliche Näe und Vertrauen zwischen Hund und Halter!

Zahnwechsel

Etwa im 4. bis 6. Monat eines Hundewelpen fallen die Milchzähnchen aus und werden durch die "echten" Zähne ersetzt.

Normalerweise bemerkt man als Mensch den Zahnwechsel allenfalls durch einen gefundenen ausgefallenen Milchzahn.

Aber es kommt auch zu Störungen oder Schmerzen. Falls ein Milchzahn nicht ausfällt und der nachwachsende bleibende Zahn sich einen Weg neben dem Milchzahn sucht, kommt es zu heftigen Schmerzen. Hier sollte der Tierarzt helfen.

Anzeichen können neben erhöhter Körpertemperatur auch eine Fressunlust mit Gewichtsabnahme, Durchfall oder "Jammern" sein.

Helfen kann man mit Kauartikeln wie Ochsenziemer oder Rinderohren. Auch eine Kauwurzel (Torgas/Chewie) kann Linderung verschaffen, ebenso das Einweichen des Futters. Häufig entsteht zu dieser Zeit das Interesse Möbel anzuknabbern...

Besitz

Gleich von Anfang an sollte Spielzeug vom Hundebesitzer "verwaltet" werden.
Das heißt, zum Spielen wird das Spielzeug hervorgeholt und danach wieder weggeräumt.
Eine handelsübliche Aufbewahrungsbox eignet sich hierfür sehr gut und lässt sich auch leicht verstauen.
Das gilt auch für Kauknochen.
Der Hund soll lernen, dass das Herrchen (oder Frauchen) die Aktivitäten bestimmt, deren Beginn und Dauer.

Spiele, Ausflüge, Kuscheln

Wie geschrieben, sämtliche Aktivitäten werden vom Hundehalter begonnen und beendet.
Ignoriere die Spielaufforderungen seitens des Welpen.
Rufe bzw. „locke“ den Welpen zu dir, wenn er dich gerade in Ruhe lässt.
Beende das Spiel oder den Rundgang bevor der Welpe es für beendet erkärt.
Dabei ist die Dauer der Aktivität dem Welpenalter anzupassen, mit 8 Wochen reichen schon einige Minuten Spiel, um das kleine Wesen zu erschöpfen.
Nun am besten von oben über Kopf und Rücken streicheln und schon schläft der Kleine.

Streicheleinheiten sind sehr wichtig, streichel den Welpen überall, schau in die Ohren, ins Maul und andere Körperstellen.
So wird freundliche und versorgende Dominanz gezeigt.
Wenn der Hund von Anfang an daran gewöhnt ist, wird Körperpflege zum Kinderpiel und nicht zum Geduldsakt.

Futter

Kein Futter „einfach so“.
Verlange von Deinem Welpen vor der Futtergabe eine kleine Übung.
Wenn der Welpe die Übung ausgeführt hat ("Sitz" oder "Platz" z. Bsp.), beuge Dich über den Futternapf und schau ihm demonstrativ in die Augen (wenn er wegschaut akzeptiert er Deine Dominanz) und gibt dann erst das Futter frei, z. Bsp. mit dem Signal "jetzt" oder "lecker".

Auch die Leckerlis tagsüber sollten nie ohne Grund gereicht werden, es ist immer eine Leistung vom Hund dafür zu erbringen. So wird der Grundstein dafür gelegt, das der Hund Dir überall folgt und den Zusammenhang zwischen Jagen und „Hören“ lernt.

Besuch

Zuerst begrüssen sich die Menschen.
Der Besuch sollte den Hund ignorieren. Sag es ihm, auch wenn es schwer fällt, es lohnt sich!

Der Welpe sitzt derweil in seiner Box, hinter einem Kindergitter oder an der Leine.

Wenn der Besuch nun im Haus und die Begrüssung beendet ist, darf der Welpe kurz "Hallo sagen".

Bellen

Wenn Dein Hund bellt oder ein Fenster/Tür fixiert, will er auf eine Gefahr aufmerksam machen.
Reagiere darauf, sage z. Bsp. "alles in Ordnung" und gehe zum Fenster/Tür und sieh deutlich nach dem Rechten.
Kehre dann zu Deiner letzten Tätigkeit zurück ohne den Hund zu beachten.

So wird der Hund verstehen lernen, dass er sich entspannen kann, wenn Du "alles in Ordnung" sagst, sogar aus einem anderen Raum.

nach Hause kommen

Wenn Du nach Hause kommst, wird Dein Welpe Dich begrüssen und so seine Unterordnung zeigen.
Tu nicht dasselbe!
Lass Dich begrüssen, aber schau ihn nicht an.
Nach wenigen Minuten, wenn er sich beruhigt hat, sprich mit ihm, rufe ihn heran und streichele.

Welpenschule

Der möglichst frühzeitige Besuch einer Welpenschule ist sehr zu empfehlen.
Dabei geht es nicht darum Grundkommandos wie "Sitz" oder "Platz" zu erlernen, sondern die Hundesprache. Und das lernt sich mit ähnlich gleichaltrigen Hundekindern am leichtesten.

Bei der Wahl der Hundeschule sollte genau hingeschaut werden. Leider ist Hundetrainer nicht gleich Hundetrainer.
Alles was nicht richtig erscheint oder das Bauchgefühle rebellieren läßt sollte man zugunsten seines Schützlings ablehnen. Die Welpen sollten neben dem Training auch die Möglichkeit haben zu spielen und auch zu pausieren.
Bitte nicht nach dem Motto "viel hilft viel" einmal im Monat 3 Stunden Welpentraining. Das führt zur Überbelastung und kann unter Umständen das gewünschte Ziel um Längen verfehlen.
Lieber Sonntagmorgen zwischen Frühstück und Gänsebraten ein halbes Stündchen Vergnügen und Training verbinden, da lernt der Hund schneller und leichter.

Lebensbereiche

Wenn wir mit Hund in unserem menschlichen Lebensraum unterwegs sind, sieht er ihn nach diesem Prinzip:

  Umfeld in der Natur Umfeld in der Zivilisation
1. Umfeld Höhle - hier ist der Welpe im Schutz der Mutter sicher Haus oder Wohnung
2. Umfeld Sicherheitszone, Umfeld vor der Höhle - hier gibt es die erste Berührung mit der Aussenwelt, die Sicherheitszone Höhle kann schnell erreicht werden Garten oder Grundstück
3. Umfeld eigens oder fremdes Jagdrevier der ganze Rest der Welt: Parks, Wald, Ortschaften, Städte ...

Warum ist das wichtig?

Weil wir es normalerweise für (zu?) selbstverständlich halten, dass unser Hund sich überall adäquat verhalten soll.

Haben wir aber immer im Hinterkopf, dass er die Welt in diesen 3 "Zonen" wahrnimmt, werden viele Verhaltensweisen verständlicher.
Z.B., warum ein Hund im Wald nicht einfach spazieren geht, um sich zu erholen wie wir Menschen (Er muss jagen und "Konkurrenz" im Blick haben).
Oder warum er heftig auf Eindringlinge im Garten reagiert (Er muss die Sicherheitszone verteidigen, wenn der Mensch es nicht tut).
Oder warum eine Hundemutter niemals mit einem Welpen die Sicherheitszone verlassen würde (Zuerst muss die Verständigung klappen und der Welpe muss die wichtigsten Lebensregeln "zu Hause" gelernt haben).

Das heißt für den Menschen:

Das heißt für den Menschen:
Willst Du Deinem Hund ein verlässlicher Anführer sein, verlange von ihm nicht, dass er im 3. Umfeld – also überall "draußen" – automatisch auf Anhieb hört und alles richtig macht.
Viele Probleme entstehen, weil die Kommunikation zwischen Mensch und Hund zu Hause noch nicht richtig funktioniert.

Beginne alle neuen Übungen im 1. Umfeld:

in der Wohnung/Haus. Auch mit einem erwachsenen Hund, der bestimmte "Lektionen" noch nicht sicher gelernt hat. Solange Du in der Wohnung übst, sind diese Lektionen draußen tabu.
Nimm den Hund solange z.B. nur noch an der Leine mit heraus – es wird sich auszahlen!
Wenn die Übung in der Wohnung gut klappt, übe dasselbe im Garten oder an einem bekannten, sicheren Platz ohne viel Ablenkung.
Erst, was dort sicher klappt, kann in schwierigen Situationen mit mehr und mehr Ablenkung geübt werden (mit fremden Hunden, Tauben in der Innenstadt, Verkehr, Menschenmengen usw.).